Kai Wegner: „Staatsmodernisierung – Wie wir in Berlin und Deutschland vorankommen müssen. Verwaltungsreform, Digitalisierung, Bürokratieabbau“
21.07.2026 36 min Christian Grosse / Jörg Wachsmuth
Der Küchenstudio-Dialog vom 28. Mai 2026 mit Kai Wegner war eine kompakte, politisch pointierte Standortbestimmung zur Staatsmodernisierung, Verwaltungsreform, Digitalisierung und Bürokratieabbau. Wegner nutzte den Rahmen, um seine Grundlinien für ein schnelleres, effizienteres Berlin und Deutschland zu formulieren – mit klaren Aussagen zu föderalen Strukturen, Bezirksstärkung, Vergaberecht, digitaler Verwaltung und politischer Stabilität.
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner stellte im Küchenstudio-Dialog seine Sicht auf die Modernisierung des Staates dar. Er betonte, dass Deutschland und Berlin vor allem an Langsamkeit, Kompetenzzersplitterung und Bürokratie leiden.
Zentrale Punkte aus dem Transkript :
-
Verwaltungsreform in Berlin:
Berlin hat erstmals einen vollständigen Aufgabenkatalog erstellt – 4500 Aufgaben identifiziert, 2200 bleiben übrig, ohne dass Aufgaben gestrichen wurden. Doppel- und Dreifachzuständigkeiten wurden beendet. -
Stärkung der Bezirke & klare Steuerung:
Wegner betont die Bedeutung starker Bezirke, aber auch die Notwendigkeit einer gesamstädtischen Steuerung, die das Land bei Bedarf Aufgaben an sich ziehen kann. -
Digitalisierung:
Berlin bietet über 460 digitale Verwaltungsleistungen, darunter die digitale Wohnsitzanmeldung. Problem: „Keiner weiß es“. -
Vergaberecht:
Massive Erhöhung der Wertgrenzen, um schnellere Vergaben zu ermöglichen – besonders für den Mittelstand. -
Föderalismus:
Wegner fordert mehr Bundeskompetenzen bei Digitalisierung und Bildung, da 16 unterschiedliche Länderansätze Deutschland ausbremsen. -
Politische Positionierung:
Er grenzt sich klar von AfD und der Linkspartei ab und betont eine pragmatische, nicht-ideologische Linie. -
Bürgerämter:
Das 14‑Tage-Ziel wurde übertroffen – „Wir haben jetzt ein 24‑Stunden-Ziel“.
⭐ Top-Punkte aus Wegners Vortrag
- Verwaltungsreform Berlin — 4500 Aufgaben identifiziert, 2200 bleiben nach Eliminierung von Doppelzuständigkeiten.
- Starke Bezirke — Konnexitätsprinzip eingeführt: Wer Aufgaben bestellt, muss sie finanzieren.
- Gesamtstädtische Steuerung — Land kann Aufgaben an sich ziehen, wenn Bezirke blockieren.
- Digitalisierung der Verwaltung — 460+ digitale Services, aber geringe Bekanntheit.
- Vergaberecht-Reform — Höhere Wertgrenzen, weniger Ausschreibungszwang, schnellere Verfahren.
- Föderalismus-Kritik — Mehr Bundeskompetenzen für Bildung und Digitalisierung.
- Bürokratieabbau — Ziel: 30 % der Berichtspflichten streichen.
- Politische Abgrenzung — Keine Zusammenarbeit mit AfD oder Linkspartei.
- Berlin als Freiheitsstadt — Freiheit als moderne, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leitidee.
- Wirtschaftswachstum — Berlin wächst trotz politischer Debatten, nicht wegen ihnen.
🗣️ Die fünf wichtigsten Zitate
- „Mit mir wird es Enteignungen nicht geben. Punkt.“
- „Wir haben 4500 Verwaltungsaufgaben identifiziert – übrig geblieben sind 2200.“
- „Wir haben jetzt ein 24‑Stunden-Ziel bei Bürgerämtern.“
- „Deutschland muss schneller werden – wir sind viel zu langsam.“
- „Berlin ist und bleibt die Stadt der Freiheit.“
Er absolvierte eine Ausbildung zum Versicherungsfachmann und arbeitete viele Jahre in einem familiengeführten mittelständischen Unternehmen, zuletzt in der Geschäftsleitung.
- 2005–2021: Mitglied des Deutschen Bundestages
- 2011–2016: Generalsekretär der CDU Berlin
- Seit 2019: Landesvorsitzender der CDU Berlin
- Seit 4.11.2021: Mitglied des Abgeordnetenhauses
- Seit 27. April 2023: Regierender Bürgermeister von Berlin
- Mitglied im Bundesrat
Inzwischen ist er als Spitzenkandidat zurückgetreten. Der Grund war anhaltende Kritik aus den eigenen Reihen in Bezug auf seine Kommunikation in Zusammenhang mit dem großen Stromausfall in Berlin im Januar 2026. An mehreren Tagen waren große Teile von Steglitz-Zehlendorf nicht versorgt.
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